|
Von Brigitta Klose
|
Greg Bogart: Chiron Verlag, ISBN 3-925100-36-9 Buchbesprechung aus: "Hamburger Hefte" 1/99 |
|
|
Dieses Buch ist für Therapeuten und Lebensberater geschrieben, denen der Autor die Möglichkeiten der Astrologie als Hilfe bei der Arbeit mit den Klienten erläutern möchte. Er selbst ging den umgekehrten Weg, er stellte nach einigen Jahren astrologischer Arbeit fest, daß er ohne fundierte Kenntnisse der menschlichen Natur, ohne Psychologiestudium, seinen Klienten nicht optimal helfen konnte. So ließ er sich zum Psychotherapeuten ausbilden. Nun erst vermochte er befriedigend zu arbeiten, wobei das astrologische Wissen, das so viel detaillierte Informationen über die psychische Dynamik und die Entwicklungsphasen vermittelt, ein wesentliches Instrument der Beratung bildet.
Die Verbindung psychologischer und astrologischer Arbeit ist heute keine Seltenheit mehr. Es gibt in der neueren Literatur genügend Werke über psychologische Astrologie. Aber Greg Bogart meint, daß in diesen Abhandlungen nicht genügend auf die Probleme eingegangen wird, die sich aus einer Vermischung der beiden Disziplinen ergeben. Diese Lücke will er schließen. Im ersten Teil erklärt er die Grundlagen der Astrologie und setzt sich mit ihrer Stellung in der Welt auseinander. Die Ablehnung, die die Astrologie besonders in der Wissenschaft erfährt, rührt s.E. von ihrem Bild als Wahrsagekunst her, was einen seriösen Einsatz als zweifelhaft erscheinen läßt. Von diesem Bild distanziert er sich ganz klar. Er sieht sie als einen Weg, um einer Person zu helfen, frühere und jetzige Entwicklungshindernisse zu verstehen, sich in der Gegenwart zurechtzufinden und notwendige Änderungen in Einstellung und Lebensart vorzunehmen. In seine Beratung bezieht er die Transite und Progressionen ein, um den Prozeß zu zeigen, in dem man sich gerade befindet.Dabei arbeitet er immer im Dialog mit dem Klienten. "Eine gute Therapie wird den Klienten nicht in unser eigenes Bild von geistiger Gesundheit oder positivem Wachstum pressen, sie bringt den Klienten vielmehr in Einklang mit dem sich ständig wandelnden Jetzt und mit dem für ihn richtigen Lebensweg." Für außerordentlich wichtig hält er die Erforschung des eigenen Horoskops und zwar permanent, um auch in Krisensituationen mit Patienten zu sehen, ob man gerade selbst einen schwierigen Abschnitt zu bewältigen hat.Er setzt die Astrologie allerdings nicht in allen Fällen ein. Wo unrealistische Erwartungen vorliegen, wo der Klient die Verantwortung für sein Leben weitgehend an andere, an die Umwelt, das Horoskop, den Therapeuten delegiert, kann der Hinweis auf die Sterne das Gegenteil dessen bewirken, was erreicht werden soll, nämlich die Erkenntnis, daß man nur selbst die Aufgaben erledigen kann, die das Leben für einen bereithält. "Die Untersuchung der Symbolik eines Horoskops erfordert Ich-Stärke und eine subtile, nicht magisch gelenkte Intelligenz, welche den Unterschied zwischen einem Symbol und der Realität verstehen kann." Im zweiten Teil seines Buches bespricht er die Planeten (auch Sonne und Mond gelten als solche), die durch sie vertretenen Eigenschaften und Fähigkeiten und ihre Rolle im Geburtsbild. Wie schon im ersten Teil veranschaulicht er das Gesagte mit Beispielen aus seiner Praxis. Die Wichtigkeit von Transiten und Progressionen und die Bewegung in den Häusern wird unterstrichen. "Unsere angeborenen Fähigkeiten reifen durch das Lernen - d.h. durch die Konfrontation mit Situationen, die von Transiten symbolisiert werden." Interessant ist sein Hinweis auf den Merkurzyklus, den ich in anderen Büchern noch nicht gefunden habe und der es m.E. wert ist, einmal beachtet und untersucht zu werden. "Wer bewußt auf Merkur eingestellt bleibt, erlangt die Fähigkeit, effizient zu arbeiten, zu wissen, wann es gilt, wohlüberlegte Anstrengungen zu unternehmen, um Fortschritte in Lesen, Schreiben und in Forschungsprojekten zu machen, und wann es am besten ist, sich zu entspannen und darauf zu warten, daß neue Ideen, Einsichten und Lösungen auftauchen (diese Zeiten nenne ich geistige Diffusion)." Die Beachtung des Merkurzyklus soll, laut Greg Bogart, jedem bei Lernschwierigkeiten und Entscheidungsfindungen helfen.Der Merkurzyklus wiederholt sich ein paarmal im Jahr. Ein Beispiel:Am 22.11.98 beginnt seine Rückläufigkeit. Schon wenige Tage vorher - etwa ab 15.11. - wird der Merkur langsamer. In dieser Zeit wird uns ein schwieriges Problem bewußt. Wenige Tage nach dem 22.11. empfinden wir eine gewisse Angst und Spannung. Jetzt machen wir uns verstärkt auf die Suche nach einer Lösung des Problems. Das ist die Zeit, in der wir Informationen sammeln und Notizen machen sollten. Am 1.12.98 findet die sog. untere Konjunktion mit der Sonne statt. Nun klärt sich das Denken zur Phase der Erkenntnis. Wir können besser urteilen und uns mit anderen verständigen. Zu beachten ist die Zeichen- und Hausstellung einer solchen Konjunktion, um zu sehen, auf welchen Lebensbereich man sein Augenmerk richten sollte, z.B. bei Konjunktion im 2. Haus seine Finanzen überdenken. Am 12.12.98 wird der Merkur wieder direktläufig. Zwischen der unteren Konjunktion und der Direktläufigkeit werden alle Denkansätze noch einmal überprüft. Es ist die Phase der Unterscheidung.Im Anschluß daran ist die rechte Zeit, ein Schriftstück, eine Forschungsarbeit zum Abschluß zu bringen. Am 3.2.99 findet die obere Konjunktion mit der Sonne statt, wenn Merkur sie wieder eingeholt hat. Nun kann man wahrscheinlich das Ergebnis seiner Bemühungen sehen und beurteilen.Eine Woche vor der erneuten Rückläufigkeit werden sich bestimmt neue Probleme zeigen, die auf Lösung warten. Der vielbesprochene Saturnzyklus findet natürlich auch seine Würdigung, wird hier aber in Zusammenhang gebracht mit dem Uranuszyklus, etwa in der midlife-crisis zwischen dem 40. und 45. Lebensjahr, wenn beide Planeten eine Opposition zu ihrer Radixstellung bilden und so den Geborenen in ein Spannungsfeld versetzen zwischen Anpassung (Saturn) und Neuanfang (Uranus). Mit Neptun und Pluto können wir transpersonalen Raum betreten.Neptun symbolisiert die Inspiration und hat große Bedeutung für die menschliche Entwicklung. C.G. Jung erlebte eine Konfrontation mit dem kollektiven Unbewußten, als der Neptun über seinen Deszendenten und seine Sonne lief. "Neptun lehrt uns den Wert der inneren Umkehr und der Öffnung für die Berührung durch den Geist, die Ausgießung der Gnade." Neptun kann also aus der Erfahrung des Autors eine wesentlich positivere Rolle in unserem Leben spielen, als wir es zu sehen gewohnt sind. Neptun will gelebt werden im Zusammenspiel mit Pluto, der die radikalen Bewußtseinsveränderungen bringt. Der dritte Teil ist der transpersonalen Astrologie und den spirituellen Entwicklungskrisen gewidmet. Er wundert sich, daß transpersonale Psychologen wie Stanislav Grof und Ken Wilber zwar Channeling, frühere Leben, Geistführer und Kundalini untersuchen, sich aber mit der Astrologie nicht befassen, wohl aus Sorge, ihre wissenschaftliche Reputation aufs Spiel zu setzen.Auf diesem Gebiet zu arbeiten ist äußerst schwierig, und gerade hier bietet die Astrologie einen Wegweiser, um außergewöhnliche Bewußtseinszustände zu untersuchen und sie richtig einzuordnen, statt sie einfach als krankhafte Symptome abzuwerten. Besonders Uranus, Neptun und Pluto sind in solchen Phasen zu beachten.Für mich ist die wichtigste Botschaft des Buches, daß hier nicht von einem unerbittlich sich erfüllenden Schicksal ausgegangen wird, das Horoskop als ehernes Gesetz betrachtet, nach dem wir angetreten und nach dem wir unseren Lauf vollenden werden. Die therapeutische Astrologie sieht das Horoskop vielmehr als subtiles Zusammenspiel von Persönlichkeit und Umgebung und ein mit der Zeit sich entwickelndes Potential, das die Planetenstellungen zum Geburtszeitpunkt symbolisieren. Der Autor vermag sehr gut anhand von Fallbeispielen zu demonstrieren, wie mit den kosmischen Symbolen des Horoskops gearbeitet werden kann, dem Klienten der Weg gewiesen wird, die Planetenenergie zu leben, anstatt sich gegen die Entwicklung zu wehren. Wenn man sich diesen Gedankengängen öffnen und sich damit beschäftigen möchte, ist die Lektüre des Buches sinnvoll. Ich kann allerdings nicht verstehen, wie man auf der Rückseite schreiben kann: "Das vorliegende Material ist geeignet, ihnen die Astrologie als eine Form der Selbsttherapie näher zu bringen, um zu größerem psychischem und spirituellem Bewußtsein zu gelangen." Es sei denn, man verfügt über die nötigen Kenntnisse und Erfahrungen. Gerade dieses Buch ruft zu Vorsicht und Verantwortungsbewußtsein auf, und darin sehe ich seinen Wert.
***
|